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Dichtkunst ist ein Spiel der Sinnlichkeit (Kant)
  • Die besten Eltern. ✿ڿڰۣ✿ Karl Hermann Schauenburg

    Die besten Eltern.

    Durch das große Weltgetriebe
    Klingt ein hoher Gotteslaut:
    Elternliebe, Elternliebe!—
    Selig, wer ihr stets vertraut!

    Wenn am Himmel Wolken jagen
    Und ein zürnend Schicksal droht,
    Schimmert sie in trüben Tagen
    Süßer Tröstung Morgenroth.

    Und wenn, gütig sich zu zeigen,
    Freuden uns ein Gott ersann,
    Elternliebe führt den Reigen,
    Elternliebe zieht voran. —

    Seht vor euch, ihr Guten, wieder
    Knien euren treuen Sohn,
    Taten bringt er nicht, nur Lieder,
    Reicher Stunden kargen Lohn.

    Wenn zu Staub die Rosen sanken,
    Wenn die Jugend abgestreift,
    Wird mit dem er besser danken,
    Was jetzt in der Stille reift.

    Heute nur an eurem Herzen,
    An der treuen Elternbrust,
    Laßt ihn ruh'n mit seinen Schmerzen,
    Laßt ihn ruh'n mit seiner Lust.

    Karl Hermann Schauenburg

  • Mord und Rache ✿ڿڰۣ✿ Ludwig Seeger

    Mord und Rache

    Mein Nachbar hatt’ einen Lindenbaum
    Vor’m Hause, schattig und traulich.
    Darunter saß die Nachbarschaft
    Oft abends still beschaulich.

    Mein Nachbar ist ein grämlicher Kauz,
    Geldwechsler oder dergleichen,
    Der schreibt und rechnet und schaut nur auf,
    Um Taler einzustreichen.

    Durch’s halb geöffnete Fenster drang
    Der Duft der blühenden Linde;
    Er rümpfte die Nase, er fluchte leis
    Auf das summende Bienengesinde.

    Verdammter Lärm — und am Ende könnt’
    Ein Stich die Nas’ ihm schwellen!
    Tief fielen heut die Papiere — da schwört
    Er den blühenden Baum zu fällen.

    Die Bienen saugen so selig vergnügt
    An den frischen, duftigen Blüten.
    Die werden des Alten vertrocknetes Fell
    Zu verkosten sich weislich hüten.

    Der alte Sünder aber verstört
    Schielt durch die Fensterscheiben:
    Der Baum muss sterben, die Axt allein
    Kann ihm die Angst vertreiben.

    Die Axt, sie fuhr in den saftigen Stamm!
    Es schnitt mir in’s Herz, es kränkte
    Mich tief, als der blühende, grüne Baum
    Die stattliche Krone senkte.

    Baumfrevler, schrecklich in deinem Schreck!
    Was hast du angestiftet!
    Den friedlichen Bienen hast du den Sinn,
    Den honigmilden, vergiftet.

    Frohlockend sah er zum Fenster hinaus:
    Die Linde lag gebrochen.
    Die Bienen haben den Alten umschwärmt
    Und den Kopf ihm waidlich zerstochen!

    Ludwig Seeger

  • Im Ginster... ✿ڿڰۣ✿ Else Galen-Gube

    Im Ginster...

    Nicht sehen will ich dich – will dich nur fühlen
    in der dunklen still-verschwiegenen Nacht,
    will meine Lippen in deine wühlen,
    bis rot die Sonne am Himmel lacht.

    Weiß ja, wie du ausschaust – auch wenn es finster,
    das Licht längst erloschen im Kämmerlein ….
    Gerad so wie damals, wo wir im Ginster
    lagen – in Zukunftsträumerein.

    Else Galen-Gube

  • Der Maler ✿ڿڰۣ✿ Josef Pollhammer

    Der Maler

    Mir träumt', ich stünd' als Maler
    Vor meiner Staffelei,
    Und malte, süßes Liebchen,
    Dein schönes Konterfei.

    Der Stirne sanfte Wölbung,
    Das wallende goldene Haar,
    Die frischen Rosen der Lippen
    Gelangen mir wunderbar.

    Die Augen nur verfehlt' ich —
    Die schauten mich freundlich an,
    Freundlich und liebeverheißend,
    Wie sie es nie getan.

    Josef Pollhammer

  • Liebe ✿ڿڰۣ✿ Johann Ludwig Deinhardstein

    Liebe

    Die Blumen blühen
    All' frisch und grün,
    Doch Stürme ziehen
    Darüber hin.

    Was blüht auf Erden
    Fällt wieder ab,
    Die Lieb' alleine
    Blüht über's Grab.

    Sie keimt und treibt nur
    In reiner Luft,
    Doch noch im Welken
    Ist sie voll Duft.

    Johann Ludwig Deinhardstein

  • Klage nicht! ✿ڿڰۣ✿ Paul Kaiser

    Klage nicht!

    Ein Mann, der nur ein Stiefelpaar besaß,
    Und, um zu schonen dessen dünne Sohlen,
    Es bei der Arbeit einmal abgelegt,
    Ward um dies teure Eigentum bestohlen.

    Nun bricht er, barfuß, in die Klage aus:
    „O, dass ich Armer, auch so bitter büße!“
    Da fällt fein Blick auf einen andern Mann;
    Ein Krüppel war’s, der hatte keine Füße.

    Der aufgeregte, unzufriedne Geist
    Gewinnt bei diesem Anblick größ’re Ruhe:
    „O, großer Gott, weil ich noch Füße hab’,
    So will ich nun verschmerzen meine Schuhe.“

    Freund, oft beklagst du ein vermisstes Gut,
    So lerne dich von deinem Schmerz erholen,
    Und weil du noch auf deinen Füßen gehst,
    So klage nicht um ein Paar alte Sohlen!

    Paul Kaiser

  • So weit! ✿ڿڰۣ✿ Julius Rodenberg

    So weit!

    Bächlein am Wiesenrand
    Rinnst Du noch immer?
    Blumen im Heimatland
    Gebt ihr noch Schimmer?
    Halme der Heimatkluft
    Mögt ihr noch rauschen?
    Lerche der Heimatluft
    Könnt' ich Dir lauschen!
    Duftige Jugendzeit,
    O wie so weit!

    Fließt noch durch Blumen bunt
    Silberne Kühle;
    Rauscht noch im Lindengrund
    Klappernde Mühle;
    Fenster aus Laubgewind
    Leuchtet noch munter,
    Aber das schönste Kind
    Schaut nicht herunter —
    Liebe der Jugendzeit,
    O wie so weit!

    Glück vorbei, Duft verweht,
    Liebe vergangen!
    Durch meine Seele geht
    Leises Verlangen.
    Dürft' ich doch einmal nur,
    Einmal Dich schauen —
    Heimatwald, Heimatflur,
    Liebste der Frauen!
    Aber wie Ewigkeit,
    Bist Du mir weit. —

    Julius Rodenberg

  • Die Freundschaft... ✿ڿڰۣ✿ Christoph August Tiedge

    Die Freundschaft...

    Die Freundschaft ist die heiligste der Gaben,
    Nichts Heilger´s konn´t uns ein Gott verleihn.
    Sie würzt die Freud´und mildert jede Pein,
    und einen Freund kann jeder haben,
    der selbst versteht, ein Freund zu sein.

    Christoph August Tiedge

  • Mondeszauber ✿ڿڰۣ✿ Josef Huggenberger

    Mondeszauber

    Sieh’, wie im Mondlicht schwelgt das Tal,
    Und wie die Blumen Küsse tauschen,
    Wie auf dem Strom erglänzt der Strahl,
    Dieweil die Blätter heimlich rauschen.

    Ein flimmernd’ Spiel von Silberlicht
    Erglüht und sprüht rings in den Landen,
    Und märchengleich es uns umflicht
    Mit elfensüßen Liebesbanden ...

    Ich halt’ dich fest, es kam so heiß
    Der Kuß noch nie von deinem Munde —
    O Welt, hemm’ deines Laufes Kreis
    In dieser zaubersel’gen Stunde!

    Josef Huggenberger

  • Der Tausch ✿ڿڰۣ✿ Wilhelm Smets

    Der Tausch

    Auf hohem Väterschlosse,
    Wohl auf der festen Zinn',
    Da stand ein Königssöhnlein
    Mit schwermutvollem Sinn.

    Und drüben, in dem Tale,
    Wohl an des Berges Rand,
    Bei ihrer weißen Herde
    Die junge Schäferin stand.

    Es floß nur eng dazwischen
    Ein Waldstrom durch das Tal,
    Herüber und hinüber
    Sah früher Liebe Qual.

    Der Jüngling sprach: Wohl darfst du
    Aufsteigen nicht zu mir,
    Doch ich darf stolz mich neigen
    Ins Tal hinab zu dir.

    Drum würd'st du nimmer werden
    Des Liebsten Königin,
    Doch ich kann dich gewinnen
    Als meine Schäferin.

    Er steigt vom Schloss hernieder,
    Läßt ab von Kron' und Land; —
    Sie ziehen über die Berge,
    Ein Herz und Hand in Hand.

    Wilhelm Smets

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