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Dichtkunst ist ein Spiel der Sinnlichkeit (Kant)
  • Meinem Kinde ✿ڿڰۣ✿ Ludwig Palmer

    Meinem Kinde

    In deinen Augen schläft ein Märchen,
    Ein süßes Rätsel ruht darin,
    Ich kann dies Rätsel nicht erraten,
    Soviel ich immer denk’ und sinn’;
    Wie rein und hold sind deine Züge,
    Wie lieblich ist dein Angesicht!
    Ich muss dich immerfort betrachten, —
    Du bist so schön und weißt es nicht.

    Neigst du das Haupt zu mir herüber,
    Umwallt von braunem Lockenhaar,
    Fasst mich ein süßer Wonneschauer,
    Und mein Gemüt wird still und klar;
    Dein Lächeln scheucht von meiner Stirne
    Des Unmuts Wolken, schwer und dicht,
    Wie Sonnenschein auf dunkler Tiefe, —
    Du bist so schön und weißt es nicht.

    Oft muss ich schmerzlich mich erinnern,
    Wie einst die Welt mein Glück zertrat,
    Und dass so manchem Ahnungslosen
    Ein finsteres Verhängnis naht;
    Dann steigt ein heiß’ Gebet gen Himmel,
    Das meine Seele stammelnd spricht,
    Dass Gottes Engel dich bewahre, —
    Du bist so schön und weißt es nicht.

    Ich möchte gern auf deinem Pfade
    Dir schützend stets zur Seite stehn!
    Doch einmal wird die Stunde kommen,
    Wo du musst einsam weitergehn.
    O hüte deiner Unschuld Perle,
    Was auch die Sünde dir verspricht,
    Lass dir dies reine Glück nicht rauben! —
    Du bist so schön und weißt es nicht.

    Ludwig Palmer

  • Des Kindes Engel ✿ڿڰۣ✿ Arthur Lutze

    Des Kindes Engel

    Ein Kindlein saß auf einem Steg,
    Das Wasser floss unter den Füßen ihm weg;
    Das Mägdlein spielte im rieselndm Quell,
    Er war ja so klar, wie der Himmel so hell.
    „Behüt’ dich Gott! lieb Mägdelein,
    „Dort blickst du nicht in den Himmel hinein!“

    Das Kindlein spielte ruhig fort
    Und freute sich am kühlen Ort.
    „Lieb Mägdlein, blick nicht zu rief hinab,
    Es ist gar kühl im Wellengrab!“ —
    Doch sieh! — es hielt eines Engels Hand
    Das Kindlein sicher am Gängelband.

    Arthur Lutze

  • Der Eremit ✿ڿڰۣ✿ Adalbert von Hanstein

    Der Eremit

    Wenn der Sonne Strahl verglommen,
    Greift der Eremit zur Geige,
    Daß er seinem Gott in frommen
    Klängen seine Seele zeige.

    Heil'ge Schauer steigen nieder
    Von der Hütte Bretterwänden,
    Wonnevolle Zauberlieder
    Klingen unter seinen Händen.

    Und der Seele heißes Hoffen
    Träumt sich fort zum Paradiese,
    Sieht den sel'gen Himmel offen —
    Engelschaar auf ros'ger Wiese.

    Auf dem Scheitel, auf dem grauen,
    Spielen warme Himmelslichter,
    Hoch hinein zur Hütte schauen
    Lockig lachende Gesichter —

    Deiner Seele kam der Friede,
    Himmelslust in ird'schen Räumen!
    Denn die Gottheit lebt im Liede,
    Und die Seligkeit in Träumen!

    Adalbert von Hanstein

  • Das Licht ✿ڿڰۣ✿ Gustav Falke

    Das Licht

    Ein Traum nur war es, ein Gesicht,
    Aus Dämmerung geboren:
    Es kam des Wegs ein kleines Licht,
    Als hätt's den Weg verloren.

    Es zitterte und schwankte sacht
    Und flackerte im Winde;
    Getragen ward es durch die Nacht
    Von einem zarten Kinde.

    Das schützte mit der rechten Hand
    Das Flämmchen, mit der feinen,
    Es glänzte durch die Fingerwand
    Ein rosenrotes Scheinen.

    Was bist du für ein Seelchen, Kind?
    Sprach ich aus meinem Traume.
    Sogleich erlosch das Licht im Wind,
    Und dunkel war's im Raume.

    Gustav Falke

  • Ein Ort der Andacht ✿ڿڰۣ✿ Ludwig Palmer

    Ein Ort der Andacht

    Ihr alten Klosterkirchenhallen,
    Wie tret’ ich hier so gerne ein,
    Wo Weihrauchwolken mich umwallen
    Und Efeu schmückt den grauen Stein.
    Durch hohe Bogenfenster flutet
    Gedämpft der Sonne goldnes Licht,
    Das Kreuz, daran der Heiland blutet,
    Ein heller Strahlenkranz umsticht.

    Und durch die feierliche Stille
    Klingt tief und ernst ein Chorgesang,
    Vor Gott beugt sich des Menschen Wille
    In des Gebetes heil’gem Drang,
    Wir sind dem Lärm der Welt entzogen,
    Ihr eitles Tun berührt uns kaum;
    Es schwebt auf Harmonienwogen
    Ein Friedensengel durch den Raum.

    Ludwig Palmer

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  • Die Wohnung des Glücks ✿ڿڰۣ✿ Hugo Grabow

    Die Wohnung des Glücks

    Ach, wo wohnt das Glück?
    Irrend schweift mein Blick
    Rings in alle Fernen,
    Flehet zu den Sternen;
    Spähet jeden Tag,
    Wo er’s finden mag.

    Fänd ich’s über’m Meer,
    Wenn ich drüben wär?
    Wohnt’s auf Inselmatten
    Unter Palmenschatten?
    Ach, von Süd und Nord,
    Such‘ ich immerfort!

    Wohnt’s, wo immergrün
    Die Zitronen blühn?
    Oder ist’s zu finden
    In den Alpengründn?
    Doch, dort seufzt’s wie ich:
    „Glück, wo find‘ ich dich?“

    Wohnt’s in ferner Zeit?
    Ist das Jahr noch weit,
    Wo in seinen Armen
    Darf mein Herz erwarmen?
    Lacht sein Morgenrot
    Mir erst nach dem Tod?!

    „Ach, wo wohnt das Glück?“
    Trockne, nasser Blick!
    Denn es ist dir näher
    Als du denkst, o Späher –
    Blick in dich hinein,
    Wird’s gefunden sein!

    Hugo Grabow

  • Wunsch

    Wunsch

    Wohl sagt man, wenn ein Stern vom Himmel fällt,
    Dann soll man wünschen, –
    und es wird geschehen;
    Zwar bin ich arm, doch Güter dieser Welt,
    Die werd' ich nie vom Herrn erflehen.

    Nun saß ich neulich einsam und allein
    Und dachte dein –
    und sah hinauf zur Ferne
    Durch dunkle Nacht zum lichten Silberschein
    Der Millionen kleiner Sterne;

    Da fiel ein Stern, –  und deutlich sah 
    Mein Auge klar
    ihn in seinem Glanz vergehen,
    Und alles was ich wünschte, –
    ach, es war,
    Nur einmal, einmal dich zu sehen!

    Johann Meyer

  • Morgen ✿ڿڰۣ✿ Emil Besser

    Morgen

    Nun liegen rings die Höhen
    In Morgensonnenglut, —
    Nun lass uns vorwärts geben
    Mit frischem, frohem Mut!

    Wenn uns im Taugefunkel
    Die Flur entgegenlacht, —
    Was kümmert uns das Dunkel
    Der überstandnen Nacht?

    Auf freien Bergesmatten
    Im hellen Sonnenstrahl, —
    Was kümmern uns die Schatten
    Tief unter uns im Tal?

    — Wirf alles ab und quäle
    Dich um Vergangnes nicht!
    Komm, bade deine Seele
    Im Licht!

    Emil Besser

  • Im August ✿ڿڰۣ✿ Karl Woermann

    Im August

    O duftig holde Rosenzeit,
    Wie hab' ich dich ersehnet:
    Rosen zu pflücken,
    Mit Rosen mich zu schmücken
    Hab' ich in dir gewähnet!

    O duftig holde Rosenzeit,
    Wie bald bist du entschwunden.
    Rosen zu pflücken,
    Mit Rosen mich zu schmücken
    Hab' ich nicht Zeit gefunden!
    Karl Woermann

  • An einen Säugling ✿ڿڰۣ✿ Karl Philipp Conz

    An einen Säugling

    In des Äthers süssem Duft
    Atme leichte Lebenslust!
    Geister pflegen deiner Seele,
    Daß der zarten, unbewußt,
    Früh sich jede reine Lust,
    Jedes bessern Keim vermähle!

    Bis, vom süssen Traum erwacht,
    Aus der Ahnung Sternennacht,
    Ist gelüpft die schöne Binde,
    In des Lebens Garten bald,
    In der Kindheit Rosenwald
    Sie, entzückt sich selber finde.
    Karl Philipp Conz

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