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Dichtkunst ist ein Spiel der Sinnlichkeit (Kant)
  • Das Herz ✿ڿڰۣ✿ Gabriele von Rochow

    Das Herz

    Das Herz, das ist ein närrisch Ding
    Und plagt uns allezeit,
    Bald sitzt es nicht am rechten Fleck,
    Bald ist es viel zu weit!

    Oft geht es falsch und nicht im Takt
    Und ohne Fehler keins,
    Jedoch das beste in der Welt,
    Das ist, Geliebte, deins!

    Das ist so rein und schlägt so treu
    In Liebe, Schmerz und Glück!
    Und freuen wird der Herrgott sich,
    Bekommt er´s einst zurück!

    Gabriele von Rochow

  • Im Haff ✿ڿڰۣ✿ Rudolf von Gottschall

    Im Haff

    Um's Haff die Möwe fliegt,
    Die Nehrung blaut von ferne.
    Die sanfte Welle wiegt
    Das schwanke Bild der Sterne.

    Ein weißes Häuschen glänzt
    Dort aus dem Dünensande;
    Vom kargen Busch umkränzt
    Erhebt es sich am Strande.

    Ich treib' im Fischerboot,
    Der Leuchtturm glänzt von ferne!
    Ein dunkles Wetter droht,
    Sein Saum verschlingt die Sterne.

    Vom heißen Tage schlaff
    Ist alles eingeschlafen.
    Es treibt mein Boot im Haff,
    Es fand mein Herz den Hafen.

    Rudolf von Gottschall

  • Nach einem Gewitter ✿ڿڰۣ✿ Gottlob Kemmler

    Nach einem Gewitter

    Horch, wie nach dem Gewitterregen
    Die Lerche doppelt fröhlich singt!
    Wie sie mit leichten Flügelschlägen
    Durch die zerriss’nen Wolken dringt!
    Wie glänzt mit neu erfrischtem Laube
    Der Wald und atmet Lebensluft!
    Wie richten sich, befreit vom Staube,
    Die Blumen auf in Schmelz und Duft!

    So möcht’ ich alles von mir legen,
    Was meine Seele drängt und drückt,
    Aufschwingen mich dem Licht entgegen,
    Das tröstend durch die Wolken blickt,
    Mein Herz im Frieden Gottes stillen
    Und ganz, vom Staub der Erde rein,
    Ein Mensch nach Gottes Schöpferwillen,
    Nach Gottes Lichtgedanken sein.

    Gottlob Kemmler

  • Glückliches Leben ✿ڿڰۣ✿ Heinrich Bone

    Glückliches Leben

    Sahst du schon am Himmel eilen
    Durch unendlich klares Blau
    Eine glänzend weiße Wolke,
    Wie ein Lämmlein auf der Au?
        Also muß dein Leben
        Durch die Jugend schweben.

    Sahst du in dem Tau der Rose
    Schon der Morgensonne Bild?
    Rose glühet, Sonne glühet,
    Wiederschein ist sanft und mild.
        Holdes Bild — im Leben
        Wirds die Liebe weben.

    Sahst du schon am Bache sitzen
    Ein schneeweißes Taubenpaar?
    Bächlein rieselt, Täubchen spiegeln
    Sich im Wasser wunderklar.
        Süßes Bild — im Stillen
        Wird es sich enthüllen.

    Sahst du schon im Mondenscheine
    Ein beblümtes Wiesental,
    Einen Engel drüber schweben
    Mit bekränztem Goldpokal?
        Also muß im Reigen
        Sich dein Leben zeigen.

    Heinrich Bone

  • GLÜCK - Cäsar Flaischlen

    GLÜCK

    Nun ward es Sommer und die Rosen blühn
    und blaue Sterne blitzen durch die Nacht . .
    und durch die Nacht und ihre blühenden Rosen
    und ihre glück-tieffrohe Stille hingegen wir
    . . zwei selige Kinder . .
    und endlos vor uns breitet sich . .
    in wunderbarer Helle,
    von reifendem Korn durchrauscht,
    die schöne Welt.

    Cäsar Flaischlen

  • Sommer ✿ڿڰۣ✿ Thekla Lingen

    Sommer

    Sieh, wie sie leuchtet,
    Wie sie üppig steht,
    Die Rose -
    Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
    Doch lose
    Nur haftet ihre Pracht -
    Streift deine Lust sie,
    Hältst du über Nacht
    Die welken Blätter in der heissen Hand ...

    Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
    Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -
    Hörst du das Rauschen goldener Aehren?
    Es geht der Sommer über's Land ...

    Thekla Lingen

  • Der alte Hund ✿ڿڰۣ✿ Friedrich Emil Rittershaus

    Der alte Hund

    Mein Vater hatt‘ einen alten Hund,
    So hässlich, wie ich nur einen wüsst‘,
    Den hab‘ ich als Kind in mancher Stund‘
    Mitten auf seine Schnauze geküsst.

    Und jeden Abend es so geschah:
    Dann sprach ich: „Lieber Herr Jesus mein,
    Behüt‘ mich und Mama und Papa
    Und unsern Spitz und Anna Kathrein!“

    War ich mal müde und schläfrig sehr,
    Nun, ich gestehe es, dann geschah’s:
    Ich betet‘ für die Kathrein nicht mehr,
    Doch nimmer ich unsern Spitz vergaß.

    Oft wurden Prügelsuppen gebraut,
    Wir schlossen darob nur enger’n Bund!
    Passierte es ihm, so weinte ich laut,
    Und galt es mir, so heulte der Hund!

    Der Spitz ward alt und der Knabe groß,
    Doch unsre Herzen blieben sich nah‘. –
    Ich nahm ihn nur heimlich auf den Schoß;
    Ich schämte mich, wenn es Einer sah!

    Zuletzt, da starb unser alter Hund;
    Er lag verendet am Treppenstein.
    Der Gärtner grub in den Wiesengrund
    Ein Loch und scharrte den Spitz hinein.

    Und, als ich den Hund verscharren sah,
    S’ist Narrheit, aber, weiß Gott, ich litt,
    Und fühlte, sie begruben mir da
    Ein Stück des Herzens, der Jugend mit!

    Friedrich Emil Rittershaus

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  • Helgolander Fischerlied ✿ڿڰۣ✿ Johann Peter Eckermann

    Helgolander Fischerlied

    Der Fische viel gefangen sind,
    Die Nacht wird dunkel, naß der Wind;
    Bald ab vom Strande strömt die Flut,
    Drum rudert rasch und rudert gut,
    Damit wir zeitig landen.

    Es pfeift der Wind bei hoher See,
    Nicht Mond nicht Stern ist in der Höh';
    Doch halten fest wir im Gesicht
    Auf fernem Turm der Heimat Licht,
    Wohin wir oft uns fanden.

    Bald sind wir nah, nun senkt das Blei,
    Noch alle Not ist nicht vorbei,
    Hier liegen flach der Klippen viel
    Und ist fürwahr kein Kinderspiel,
    Bei dunkler Nacht zu stranden.

    Mit Licht die Unsern sind am Strand!
    Bald ziehn die Boote wir zu Land;
    Dann heitre Mahlzeit machen wir,
    Und der Gefahren lachen wir,
    Die glücklich wir bestanden.

    Johann Peter Eckermann

  • Mahnung ✿ڿڰۣ✿ Otto Haggenmacher

    Mahnung

    Windet fröhlich frische Kränze,
    Wo der Freude Blumen blüh'n.
    Voller Lust Pokal kredenze,
    Wem des Glückes Trauben glüh'n.

    Ach, das Schicksal flicht der Dornen
    Kranz um's Haupt uns reich genug,
    Und es schöpft aus Leidesbornen
    Jedem einen vollen Krug.

    Alle Seufzer, alle Klagen
    Bannen dunkle Loose nicht.
    Was bestimmt ist, lerne tragen;
    Denn der wahrhaft Weise spricht:

    Windet fröhlich frische Kränze,
    Wo der Freude Blumen blüh'n.
    Voller Lust Pokal kredenze
    Wem des Glückes Trauben glüh'n.

    Otto Haggenmacher    

  • Blumen ✿ڿڰۣ✿ Franz Alfred Muth

    Blumen

    Ist der Blumenduft, der süße,
    In den Lüften zart und mild,
    Nicht ein Hauch vom Paradiese,
    Der die Brust mit Sehnsucht füllt?

    Bräutlich steh`n sie an der Halde,
    Voller Demut, voller Huld,
    An dem Rain und in dem Walde,
    Blumen ohne Sünd` und Schuld.

    Dankbar schauen sie zur Sonne,
    Sehnend nach dem goldnen Licht,
    Und ihr Sterben selbst ist Wonne,
    Da sie Gott für Eden bricht.

    Franz Alfred Muth

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