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Dichtkunst ist ein Spiel der Sinnlichkeit (Kant)
  • Das Vaterhaus ✿ڿڰۣ✿ Marie Paschke-Diergarten

    Das Vaterhaus

    Es kehrt ein Jüngling aus der Fremde
    zurück ins traute Elternhaus,
    weil er da draußen nicht gefunden
    das Glück, nach dem er schaute aus.

    Nach langem, ruhelosem Wandern
    in weiter Welt, so öd' und kalt,
    das süße Lied von Glück und Heimat
    in seinem Herzen wiederhallt.

    Und freundlich grüßen ihn die Auen,
    mit leisem Flüstern grüßt der Wald,
    dort unter jenen grünen Buchen
    war einst sein liebster Aufenthalt.

    Dort steht ein Häuschen, wilde Reben
    verleihen ihm ein friedlich Bild,
    und drinnen schlägt ein treues Herze,
    das all sein Weh, sein Sehnen stillt.

    Da steht er nun auf jener Schwelle,
    die ihm so heilig, so vertraut,
    man sieht, wie in dem Mutterauge
    still eine Freudenträne taut.

    Er ruht an ihrem treuen Herzen
    von seiner müden Wand'rung aus,
    da draußen gibt es keine Heimat,
    da draußen gibt's kein Vaterhaus!

    Marie Paschke-Diergarten

  • Du ✿ڿڰۣ✿ Christian Wagner

    Du

    Da du getreten in mein Leben ein,
    Da wich die Nacht dem hellen Morgenschein;
    Weit offen stand des Himmels festlich Tor,
    Und eine Rosenlandschaft stieg empor.

    Christian Wagner

  • Die Heideschenke ✿ڿڰۣ✿ Demetrius Schrutz

        
    Die Heideschenke

    In der alten Heideschenke
    Gibt es Wein und viel Getränke,
    Gibt es viel Getränk und Wein
    Und ein Mädel schmuck und fein.

    In der alten Heideschenke
    Gibt es Streit oft und Gezanke,
    Gibt es viel Gezänk und Streit
    Und auch eine schmucke Maid.

    In die alte Heideschenke
    Ich die Schritte oftmals lenke,
    Trink’ dort Wein und küß die Maid,
    Deshalb all der Zank und Streit.

    Demetrius Schrutz

  • Nun wird es Frühling bald! ✿ڿڰۣ✿ Wilhelm Pillmann

    Nun wird es Frühling bald!

    Vom Schnee befreit prangt Tal und Hügel,
    Die Lüfte wehen lind und lau,
    Aufsteigt auf ihres Jubels Flügel
    Die Lerche in des Himmels Blau.

    Schneeglöckchen läuten schon ein Weilchen,
    Es knospt im Garten, knospt im Wald.
    Hurra! hier schon das erste Veilchen!
    Hurra! nun wird es Frühling bald!

    Wilhelm Pillmann

  • Waldwege ✿ڿڰۣ✿ Josef Weinheber

    Waldwege

    Soviel Wege laufen durch den Wald,
    soviel Liebe sucht sich müd und blind.
    Ach, wie ist die Welt so bitterkalt!
    Immer weht derselbe böse Wind,
    immer klingt dasselbe Lied vom Feld
    und derselbe dunkle, schwere Reim:
    Soviel Wege laufen durch die Welt -
    Führt denn keiner heim?

    Josef Weinheber

  • Guck mal ✿ڿڰۣ✿ Ludwig Jacobowski

    Guck mal

    „Guck ‘mal! Störche auf dem Dach!
    Und ein Nestchen! Das bringt Glück!“
    Ruft das Kind die Schwester wach,
    Und das Mädchen hebt den Blick.

    „Bringt das Glück?“ fragt sie erstaunt,
    Und sie schaut mir ins Gesicht.
    Und ich lache frohgelaunt:
    „Manchmal ja und manchmal nicht!“

    Ludwig Jacobowski

  • Die Blumensprache ✿ڿڰۣ✿ Anton Plattnerch

    Die Blumensprache

    Es deuten die Blumen des Herzens Gefühle,
    Sie sprechen manch' heimliches Wort,
    Sie neigen sich traulich am schwankenden Stiele,
    Als zöge die Liebe sie fort.
    Sie bergen verschämt sich im deckenden Laube,
    Als hätte verraten der Wunsch sie dem Raube.

    Sie deuten im leise bezaubernden Bilde
    Der Frauen, der Mädchen Sinn;
    Sie deuten das Schöne, die Anmut, die Milde,
    Sie deuten des Lebens Gewinn:
    Es hat mit der Knospe, so heimlich verschlungen,
    Der Jüngling die Perle der Hoffnung gefunden.

    Sie weben der Sehnsucht, des Harmes Gedanken
    Auch Farben ins duftige Kleid,
    Nichts frommen der Trennung gehässige Schranken,
    Die Blumen verkünden das Leid.
    Was laut nicht der Mund, der bewachte, darf sagen,
    Das waget die Huld sich in Blumen zu klagen.

    Anton Plattnerch

  • Das Wunderkind ✿ڿڰۣ✿ Hans Eschelbach

    Das Wunderkind

    Hab' einen Jungen, just ist er drei Jahr',
    Sonne hat der in Augen und Haar:
    Könnt es uns glauben, wir sind nicht blind:
    Unser Hans ist ein Wunderkind!
    Himmel, was ist der Bengel schon klug,
    Malt mir mit Bleistift in jegliches Buch.
    Meine Gesponsin hat längst drum entdeckt,
    Daß in dem Jungen ein Raffael steckt.
    Hat er ein Spielzeug recht neu noch und schön-
    Hans muß sofort es von innen besehn:
    Ist es ein Zug doch recht schlau und gesund,
    Allem zu gehen bis tief auf den Grund;
    Drum, wo die Gosse am tiefsten muß sein.
    Patscht der mit beiden Beinen hinein!
    Was der in Zukunft nicht alles verspricht,
    Glauben die meisten Leute uns nicht.
    Salbt sich die Haare mit Ricinus fein,
    Warf uns auch neulich ein Fenster schon ein.
    Trommelt für sieben und trampelt für acht,
    Hat unsern Igel ins Bett mir gebracht,
    Und — die Sache ist wirklich verbürgt!
    Hat auch drei Nickel hinab schon gewürgt,
    Wenn der nur fleißig weiter so spart,
    Wird er noch reich und schlägt aus der Art!
    Ist auch, wie könnte es anders denn sein,
    Reif schon für jeden Tierschutzverein:
    Sitzt in der Falle mal still eine Maus,
    Läßt unser Hans sie schleunigst hinaus,
    Klüger als Hans, der goldige Wicht,
    War mit drei Jahren selbst Goethe noch nicht.
    Drum, wer's bezweifelt, ist neidisch und blind,
    Hans ist ein wirkliches Wunderkind!

    Hans Eschelbach

  • Der Abend ✿ڿڰۣ✿ Paula Modersohn-Becker

    Der Abend

    Der Abend leget warme
    hernieder seine Arme
    und wo die Erde zu Ende
    da ruhen seine Hände...
    Die Mücklein summen leise
    in ihrer hellen Weise
    und alle Wesen beben
    uns singen leis vom Leben...
    Es ist nicht groß, es ist nicht breit,
    s´ist eine kleine Spanne Zeit
    und lange währt die Ewigkeit.

    Paula Modersohn-Becker

  • Rosenliebe ✿ڿڰۣ✿ Adolf Roehn

    Rosenliebe

    Es war eine knospende Rose,
    Die stand im Garten versteckt.
    Da hat ihr ein Kuß der Sonne
    Die Liebessehnsucht erweckt.

    Neugierig öffnet sie leise
    Den Kelch und schaut in das Licht,
    Da kamen Käfer und Falter
    Und küßten ihr frisches Gesicht.

    Die Käser, die Bienen, die Falter,
    Die flogen wieder vorbei,
    Und welkend seufzte die Rose:
    Ach, keiner bleibt mir getreu!

    Adolf Roehn

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