Der Mond
August Corrodi, 1826 -1885

Knabe.
Mond, wie sonderbar bist du,
Nimmst bald ab und nimmst bald zu.
Seh' dich oft in vollem Glanz,
Und dann wieder dunkel ganz.

Mond.
Kann nicht helfen, liebes Kind,
Denn die große Sonne find't
Oft nicht Zeit, mich zu erhellen,
Dann muß es an Glanz mir fehlen.

Knabe.
Hast du denn kein eigen Licht?

Mond.
Nein, das hab' ich wahrlich nicht;
Bin ein armer, blinder Mann,
Wenn die Sonn' nicht scheinen kann.